Horst Samson - Mittwoch, 20. September 2017
Druckversion der Seite: Kritik XII - Und wenn du willst, vergiss - Präsentation, Pop Verlag Ludwigsburg
URL: www.horstsamson.de/kritiken/kritik-xii-und-wenn-du-willst-vergiss-praesentation-pop-verlag-ludwigsburg/

Bestellung HIER


# Taschenbuch: 130 Seiten
# Verlag: POP, Ludwigsburg (2009),
# ISBN-10: 3937139923
# ISBN-13: 978-3937139920


5 von 5 Sternen Samsons literarisches Schaffen,
Info Pop Verlag, Ludwigsburg - 27. Januar 2010


Horst Samson (55) gehört neben Richard Wagner, Herta Müller, Johann Lippet, Rolf Bossert, Ernest Wichner, William Totok oder Werner Söllner zu den bedeutenden Dichtern der rumäniendeutschen Literatur, der Banater Autorengruppe, und machte sich als Lyriker schon früh einen Namen. Für seinen in deutscher Sprache im Dacia Verlag Klausenburg erschienenen zweiten Gedichtband tiefflug" (1981, Lektor war Frank Hodjak) wurde er mit dem Lyrikpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes ausgezeichnet.

Samsons literarisches Schaffen war und ist geprägt durch die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart. So hat er seine Lebenszeit im finsteren und kalten Rumänien der Achtziger Jahre auf eindrucksvolle Weise und in vielfältigen Ausdrucksformen beschrieben. Schreibend setzte sich der Dichter zu Wehr, verteidigt seine Sprache, seine Werte, schafft sich den notwendigen Freiraum, der das Atmen, das Überleben, aber auch den aufrechten Gang durch eine komplizierte Epoche ermöglichte.

Horst Samson frühe Gedichte aus den Bänden Tiefflug", Reibfläche" oder Was noch blieb von Edom", allesamt vergriffen, sind wichtige Belege der Auseinandersetzungen mit der Diktatur, sie feiern das poetische Ich, lehnen dessen Vergesellschaftung ab, es sind lyrische Kryptogramme eines Lebens in dunkler Zeit, reich an Erlebnisfracht.

Der jetzt im Ludwigsburger Pop-Verlag herausgebrachte Gedichtband Und wenn du willst vergiss" trifft eine Auswahl aus mehreren Lyrikbänden Samsons und macht wichtige Gedichte des Frühwerks und zum Aufbruch der rumäniendeutschen Lyriker in die weltliterarische Moderne dem interessierten Leser zugänglich. Das Vorwort schrieb der mit Samson seit einem Vierteljahrhundert eng befreundete Schweizer Dichter und Journalist Andreas Saurer aus Bern.

Eine Metaphorik der Entseelung und Entmündigung ruft in vielerlei Gestalten den allgegenwärtigen Tod herauf. Was bleibt ist das Überwintern mit einem verschwiegenen Zeugen, in einer Geliebten, bei einer Schnapsflasche, im Gedicht als ,Gegengift für die Wunden'". Dieser Befund des Literaturkritikers Dr. Peter Motzan (München) zu Horst Samsons Poem La Victoire" (2003), dem Höhepunkt seines bisherigen literarischen Schaffens, ein Buch, das der Münchener Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift Das Gedicht", Anton G. Leitner, zu den wichtigsten drei Neuerscheinungen des Verlagsjahres 2003 zählte, trifft ebenso genau auf Samsons frühe Gedichte zu.

Und der Literaturkritiker und exzellente Kenner der rumäniendeutschen Literatur, Eduard Schneider (München), schrieb 1995 in einer Rezension zu dem in einem Kleinstverlag erschienenen fulminantem, von der Öffentlichkeit jedoch weitgehend unbeachtet gebliebenen Gedichtband Was noch blieb von Edom": Die Gedichte evozieren ein Land, in dem "Menschen / Verschwinden wie / Der Duft von billigstem // Eau de Cologne" ("Rumania by night"). Der Begriff des "Schwindens" ist ein Topos, der, ähnlich wie die Metaphern "Tod", "Schnee" oder "Blut", in den Sprachbildern der Texte obsessiv wiederkehrt. Wie tödliche Verzweiflung noch den Lebenswillen befruchten kann, anders gesagt, "was uns zerstört / läßt uns / Leben", hat Samson in dem feinnervigen Text "Und wenn du willst vergiß" eingebracht; Zynismus, von Bedrohung erzeugt, geht darin auf in beschützende Zärtlichkeit: "...// Vielleicht hätt man uns / Besser aufgehängt, / Aber es gibt uns noch. / Lass meinen Mund auf // Deinem Munde sein, / Uns umeinander ranken wie / vergänglichgrüne Pflanzen. // Ich hör dein Herz bis in die Wurzeln / Schrein, ich halt dich fest / Im Arm, wir tanzen". In der Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt kommt dem Gedicht "Edoms Nacht" ein besonderer Stellenwert zu. Überreale Bilder in raffiniert gebrochenen Verszeilen suggerieren einen Alptraum, machen deutlich, wie sich Terror entfaltet und was er im Menschen zurückläßt: "Die Spitze des Zirkels / Im Tod. Du ahnst den Kreis, / Die Geologie des Verrats / Bis in die Nerven // Zellen. Im Lichtkegel flattert / Das Herz. Schweigen tropft aus / Dem Lande, / Und Blut. Was noch // Brennt in der Nacht / Ist flackernder Mohn, / Was noch blieb von Edom // Sind Silben im Hirn / Und Folterblumen, / Die wuchern ohne Lärm"... Samson, der, Depressionen ausmessend, für die Träume befürchtet: "Kein Ort steht ihnen zu", findet aber auch Worte, um Glücksempfindungen aufzuschreiben, seien sie nun aus phantasieumsponnener Nähe entstanden - "Aber ich hatte zu lieben. / An der warmen Brust lag mir // Eine Sirene. Herrlich roch sie / Nach Fisch und nach Algen" ("Schwedeneck") oder aus der Flüchtigkeit einer Begegnung: "Sie war als wäre sie / Ein Traum, schien wie der Rauch // Einer Gauloises / Zu sein, stieg aus / Dem Zug und ich stieg ein. / Dann war sie weg. Ich liebte sie // In Gedanken kurz / Und klein" ("Fata").

Über den Autor
Horst Samson, geboren am 4. Juni 1954 im Weiler Salcimi/Rumänien, ist Mitglied im VS und Generalsekretär des Internationalen Exil-P.E.N. Sektion deutschsprachige Länder. Horst Samson gehörte in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts als Sekretär der Leitung des Adam Müller-Guttenbrunn-Literaturkreises" der Schriftstellervereinigung Temeswar an, in der auch die Nobelpreisträgerin Herta Müller ihre Texte las und zur Diskussion stellte. Samson veröffentlichte sechs Gedichtbände. Außerdem ist er Herausgeber einiger Publikationen, darunter auch Mitherausgeber von Salman Rushdies Satanischen Versen" im Artikel 19 Verlag. Er veröffentlichte Gedichte in zahlreichen repräsentativen Anthologien und Zeitschriften. Horst Samson erhielt Preise und Auszeichnungen, zuletzt den "Förderpreis des Lyrikpreises Meran" (1998).

 

Verlagspräsentation