GIPFELRUF *

Horst Samson. Foto: Elvis Samson

Folge 21: Horst Samson

Veröffentlicht am 17. Juli 2012 von dasgedichtblog

Horst Samson (*1954)

§  Lyriker aus Neuberg

§  www.horstsamson.de

§  Weniger Informationen

Horst Samson zählt zu den bedeutenden Repräsentanten der rumäniendeutschen Literatur. 1987 emigrierte er mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland. Er veröffentlichte acht Gedichtbände, gab etliche Publikationen heraus, veröffentlichte in diversen Zeitschriften und übersetzte Gedichte aus dem Rumänischen. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt. Horst Samson erhielt etliche Preise und Auszeichnungen, u. a. den »Förderpreis des Lyrikpreises Meran« (1998). Er arbeitet als Lehrer und Journalist.

Der Lyriker Horst Samson, Teilnehmer beim »Internationalen Gipfeltreffen der Poesie« am 23.10.2012 in München, stellt sich den Fragen unseres dasgedichtblog-Fragebogens.

Lyriker-Steckbrief

Name / Vorname: Samson, Horst
Geburtsdatum: 04.06.1954
Geburtsort: Salcimi / Rumänien
Augenfarbe: Blau
Größe: 1,76 m
Wohnort (mit Bundesland): Neuberg / Hessen

Aktueller Gedichtband (mit Erscheinungsjahr, Erscheinungsort, Jahr und Verlag): Und wenn du willst, vergiss. Gedichte (Pop Verlag, Ludwigsburg, 2010)

23 Fragen an den Lyriker Horst Samson
und ein Satz zum Ergänzen

1. Wann sind Sie zum ersten Mal mit einem Gedicht in Kontakt gekommen?

Als Kleinkind in meinem Elternhaus.

2. Haben Sie den ersten Kontakt mit Lyrik in positiver oder negativer Erinnerung?

Das habe ich in angenehmer Erinnerung. Selten galt uns Kindern in der rauen Erwachsenenwelt so viel Aufmerksamkeit wie in jenen Augenblicken, wenn wir ein Gedicht vortrugen.

3. Wann haben Sie Ihr erstes Gedicht geschrieben und wie lautet dessen Titel?

In der sechsten oder siebenten Klasse, es ist mit nicht mehr ganz genau in Erinnerung, setzte die bewusste Selbstbefassung mit mir und meiner Umwelt in Gedichtform ein. Der Titel ist mir längst entfallen. Ich reimte damals und war ziemlich produktiv, hatte alsbald ein ganzes »Diktando-Heft« vollgeschrieben.

4. Wo haben Sie Ihr erstes Gedicht veröffentlicht?

Mein erstes Gedicht veröffentlichte ich wahrscheinlich in der »Raketenpost«, der Schülerbeilage der Bukarester Tageszeitung »Neuer Weg«. Als Dichter debütierte ich 1976 in der Temeswarer »Neuen Banater Zeitung«.

5. Was haben Sie der Lyrik zu verdanken?

Einige der schönsten Augenblicke meines Lebens. Die Lyrik lehrte mich Achtsamkeit mir und anderen gegenüber, schulte meine Leidenschaft für Sprache und vor allem meinen kritischen Geist. Nach meiner Emigration sog ich daraus die Kraft, in diesem Leben zu bleiben. Nicht zuletzt verdanke ich der Lyrik meine wichtigsten Freundschaften. Manche Beziehungen zu anderen Dichtern bestehen heute zwar fast nur noch virtuell, sind mir aber Geschenk geblieben.

6. Was treibt Sie zum Schreiben von Gedichten an?

Es ist so ungeheuer viel, was mich beim Schreiben bewegt. Die Zündschnur, die mich immer wieder in Brand setzt, liegt hinter dem Horizont, hinter meinem jedenfalls. Das Gedicht hat mich in meinen verzweifelten und in meinen glücklichen Augenblicken gefunden. Es schlägt von oben in mich ein und ich bin lediglich der Blitzableiter, der die Stromschläge an die Erde weitergibt. Dann bebt alles.

7. Was macht für Sie den Reiz der Poesie aus?

Die Sprache und die Musik. Ich liebe rhetorische Stilmittel, eine inhaltlich aufgeladene Sprache und ich schätze die existentielle, philosophische und gesellschaftliche Vernetzung des Gedichtes. Ich will als Dichter nicht nur Seismograf sein, sondern auch ›Minenleger‹ und Spurensucher. Ich mag keine Verjandelung, keine Verschandelung, keine Pastiorisierung oder gar die Kreuz(ig)ung des Gedichtes mit sinnentleerter Rätselei. Das ist Poesie für kurze Geister, die das Gedicht zur Luftpresswurst degradieren.

8. Ihr Lieblingsschriftsteller?

Zu gleichen Teilen: William Shakespeare, Friedrich Hölderlin und Hans Henny Jahn.

9. Ihr Lieblingskünstler?

Caspar David Friedrich.

10. Ihr Lieblingsmusiker?

Die Beatles.

11. Ihr Lieblingsfilm?

»Das Leben ist schön« von Roberto Benigni und die vielen gegenwärtigen Glanzlichter des »Neuen rumänischen Films«.

12. Ihre Lieblingsfarbe?

Blau.

13. Ihr Lieblingswort?

Elvis – der Traum.

14. Ihr Lieblingsvers?

»Das Herz lag da, leer wie eine verlassene Kaserne.«

15. Ihr Lieblingsgedicht?

»Das Land« von Horst Samson.

16. Ihr größter Fehler?

Ich trete meine Begabungen mit den Füßen.

17. Was loben Ihre Freunde an Ihnen?

Mal das eine, mal das andere, mal den Dichter, mal den Musiker.

18. Mit wem würden Sie gerne gemeinsam auftreten?

Noch einmal mit meinen Freunden Herta Müller, Richard Wagner, Johann Lippet und Rolf Bossert.

19. Wem möchten Sie nicht in der Sauna begegnen?

Wladimir Wladimirowitsch Putin und mir selber.

20. Welcher Vorzug von Ihnen wird verkannt?

Meine Schüchternheit, die scheinbar nur ich für einen gelegentlichen Vorzug halte, die mir aber leider kaum jemand glaubt, der mich kennt.

21. Was war Ihr bislang schönstes Erlebnis mit einem Gedicht?

Dass die Theologin Dr. Marie Elisabeth Lüdde aus Weimar in Bremen bei einer Lesung mein Gedicht »Am Meer« hörte und davon so begeistert war, dass sie eine exzellente Interpretation dazu schrieb und sie zusammen mit dem Gedicht in der von Richard Riess herausgegebenen Anthologie »Drei Zeilen trage ich mit mir. Worte, die ein Leben begleiten« (Herder Verlag, Freiburg / Basel / Wien, 1995) veröffentlichte.

22. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Die Abschaffung aller Krankheiten.

23. Welche Nebeneffekte im Literaturbetrieb wären für Sie verzichtbar?

Die Bandenbildung unter Lyrikern.

Und zum Abschluss eine Satzergänzung:

Wenn ich nochmals auf die Welt käme, würde ich…
…staunen.

Horst Samson
Und wenn du willst, vergiss. Gedichte


Pop Verlag, Ludwigsburg, 2010
130 Seiten
ISBN 978-3-937139-92-0
Euro 14,90 [D]

* Umfrage unter Dichtern – sie erschienen in Vorbereitung des großen Jubiläumsfestes der Zeitschrift „Das Gedicht“.     

ANMERKUNG:   Leider konnte ich an dem Treffen in München nicht teilnehmen. Ich wünsche, der „Zeit-Schrift“ „Das Gedicht“ und Herausgeber Anton G. Leitner möge es weiterhin gelingen, die poetische Schrift noch Jahrzehnte lang über der Zeit flattern zu lassen, sie zu belichten und zu beleuchten, zu besonnen und ... zu beschatten.

Horst Samson, Neuberg, 29.Oktober 2012 
 
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